Zeige mir was du anziehst, und ich sage dir, woher du kommst – das war wohl die Idee hinter der Sendereihe “Kleider&Leute” von ARTE, die nun jede Woche läuft und eines der erfolgreichsten arte-Sendungen ist. Dabei enttäuscht der Ausnahmesender ARTE mal wieder überhaupt nicht und bietet Qualität und sehr informative und interessante Sendungen, die aber nicht staubtrocken sind.

Die Sendung räumt mit der gängigen Meinung auf, dass fast überall auf der Welt die gleiche Mode angesagt ist und die Leute den gleichen Look tragen – das hatte ich bis vor kurzem eigentlich auch gedacht. Die Sendung “Kleidung & Leute” zeigt aber Kleidungsvorlieben  und -ursprünge aus aller Welt und das nicht in ethnologischer Manier, wo nur die traditionelle Kleidung oder Trachten gezeigt werden, es geht tatsächlich um Mode, die wirklich getragen wird. Es geht um bestimmte Subkulturen, die ihre eigene Mode haben (z.B. Dandys in der Demokratischen Republik Kongo), es geht um politisch motivierte Mode (z.B. Gelbhemden in Thailand) und es geht um die Alltagsmode.

Die erste Sendung dieser Doku-Reihe behandelt den “Afro-Chic” in Südafrika und die aktuellsten Looks in den Johannesburger Townships. Bezeichnenderweise wurde dieser Look, der auch in den Kreisen der “Blackoisie”, also der neuen schwarzen Mittel- und Oberschicht, getragen wird, von einem berühmten Hemd von Nelson Mandela inspiriert. Die bunten Farben finden sich auf Hosen, Schuhen, BHs, Gürteln, Hüten usw.    Afro Chic

Die so genannte “Swanka-Mode” ist degegen von den Arbeitern der Goldminen entstanden. Die coolen bad boys der Townships hingegen brauchen Kleidung, die so gemacht sein muss, dass man damit jederzeit schnell weglaufen kann. All diese Eigenheiten sind wirklich sehr spannend, stehen sie jedoch für die Eigenheiten und Probleme der jeweiligen Ländern.

Dann führte uns arte auf eine Reise nach Ägypten. Wenn man dort im Urlaub ist, fallen diese Eigenheiten und Symbole gar nicht auf oder man versteht sie nicht und kann sie nicht zuordnen. So sagt das lange Hemdkleid, was die Männer in Ägypten sehr viel tragen, was über ihren Status und ihre Herkunft aus. Und zwar sind die meisten ägyptischen Frauen verhüllt, doch auch da gibt es Tricks, ein wenig sexy zu sein.

In einer anderen Sendung wurde die Mode der senegalesischen Hauptstadt Dakar behandelt. So ist es den Senegalesinnen viel daran gelegen, dass ihr Hinterteil sehr gut in Szene gesetzt wird, um ihre untreuen Ehemänner von anderen Frauen fernzuhalten.

Senegal

In der Folge über Thailand wurde gezeigt, wie sich Königstreue und politische Überzeugung durch Mode ausdrücken lässt. So sollen alle Thais mindestens ein gelbes Poloshirt im Schrank hängen haben, das sie vorzugsweise Montags zu Ehren ihres Königs anziehen. Die roten Poloshirts, werden dagegen von den Anhängern von Taksin Shinawatra getragen, dem Premier, der durch die “Gelben” aus dem Land gejagt wurde.

Thailand

Es gibt auch Modereisen in die Türkei, nach Indien, nach Indonesien, nach Japan usw. Mode ist eben mehr als nur Kleidung, die man auf dem Körper trägt: es ist Ausdruck für soziokulturelle und politische Entwicklungen und der Sehnsüchte und Vorlieben der Menschen.

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Mittwoch, Juni 23rd, 2010 at 23:16
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Allgemeines, Andere Länder - andere Stile, News & Trends
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