Ich bin ein totaler Fan von dem Fernsehsender arte und eine ganz besonders tolle Sendung ist “Kleider und Leute” oder “Tous les habis du monde”. Darin wird gezeigt, was die Menschen in einem bestimmten Land tragen und vor allem warum sie das tun. Denn Kleidung ist mehr als nur Mode, die jedes Jahr wechselt oder von USA und Europa bestimmt wird. Kleidung ist v.a. Ausdruck einer bestimmten kulturellen Prägung oder eines Gruppengefühls. Absolut toll waren die Sendungen über Japan, Bolivien, Südafrika, Thailand, Ägypten etc. Letztens war Mexiko dran:
Die mexikanische Kleidung wird geprägt wird von spanischen, indianischen und nordamerikanischen Einflüssen: ob die berühmten Mariachi-Kostüme, Zapatista-Sturmhaube oder die Tracht der Indianerinnen, all diese Vielfalt zeugt auch von der kulturellen Vielfalt des Landes.
In Mexiko sind Mariachi-Musiker sehr beliebt. Das angeblich von dem französischen Wort “mariage” (Hochzeit) abgeleitete Wort bezeichnet Männer im traditionellen Charro-Kostüm, das von den andalusischen Kolonialherren inspiriert ist, aus engen, schwarzen Hosen, üppige Gürtel mit seitlichen Silberknöpfen, Rüschenhemden, bestickten Bolerojacken, spitzen Stiefeln und Sombreros. Bei Festlichkeiten aller Art sorgen die Mariachi, die oft in Musikgruppen bis zu 12 Leuten auftreten, für Musik und Stimmung.
Auf dem Lande versammeln sich sonntags die Charros – einst die spanisch-mexikanische Variante der US-amerikanischen Cowboys – in ihrer typischen Tracht zur Messe und gehen anschliessend zum Rodeo und zum Polkatanzen. Die Damen tragen dabei üppige Rüschenkleider an denen man deutlich den Einfluss der andalusischen Flamenco-Kleider ablesen kann.
Eine deutliche politische Aussage ist die Kapuzenmütze der Zapatista, die aussieht wie eine Skimaske und nur die Augen lässt. Sie wird vor allem von Indigenen der Chiapas-Region getragen und das von Jugendlichen wie von alten Frauen. Sie soll nicht nur deren Anonymität im illegalen Kampf wahren, sondern symbolisiert auch die Aussage: Wir sind alle gleich, reduziert uns nicht auf unser (indigenes) Äußeres.
Überhaupt tragen die Mexikaner gern Masken, so geniessen beispielsweise die Masken der Wrestler-Ringer (ein überaus populärer Sport in Mexiko) grosse Verehrung und werden auf der Strasse von Heranwachsenden und Kindern getragen, was teilweise irgendwie gruselig aussieht.
In den 30er und 40er Jahren waren die Pachucos Vertreter einer mexikanischen Jugendkultur im Süden der USA mit eigenem Kleidungsstil, den “Zoot Suits”, und eigenem Dialekt. Heute trifft man sie in Mexiko als prahlerische alte Dandys mit federgeschmückten Borsalinos und zweifarbigen Kurzstiefel.
Auch die Indianerinnen halten an Traditionen fest. Ohne sich von der Verachtung beirren zu lassen, auf die ihr bunter, sackartiger “Huipil” bei den Stadtbewohnern gelegentlich stösst, tragen sie diesen bestickten ponchoartigen Umhang bei jeder Gelegenheit.
Sehr präsent in Mexikos Städten sind die “Masaguas cholos skato-punks”, Masagua-Indianer, denen Skater- und Punkerlook als Erkennungszeichen dienen. Das ist ein sehr eigenartiger Anblick. Denn diesen Jugendlichen sieht man ihre indigene und ländliche Kultur an, doch sie versuchen sie mit Skater- und Punkklamotten so gut wie möglich zu verstecken.
Doch was ziehen die Mexikaner an, wenn sie auf die Straße zum Demonstrieren gehen und sich Gehör verschaffen wollen? Sie lassen buchstäblich die Hose herunter!! Nackt sein in diesem erzkatholischen Land ist ungefähr das höchste an Radikalität und Provokation. So stehen v.a. die Gewerkschaftler oft in Reih und Glied (*räusper*) umgedreht zur Srasse und zeigen ihren nackten Hintern. Doch den Sombrero haben sie brav auf











September 1st, 2010 at 12:53
Heiraten traditionelle Mexikaner auch in diesem Mariachi-Kostüm? Jedenfalls interessant zu wissen, war mir bisher der Bedeutung des Wortes “Mariachi” gar nicht bewusst. Klingt aber irgendwie einleuchtend, dass es vom französischen kommt.
LG Kerstin