Ich habe neulich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Modejournalistin geführt, die seit einigen Jahren für eine in Deutschland relativ bekannte und erfolgreiche Frauenzeitschrift arbeitet (ich nenne jetzt mal keine Namen). Das Gespräch war wirklich sehr interessant – zugleich aber auch total schockierend und erschreckend.
Die Journalistin mit der ich sprach hat eigentlich einen super spannenden Job. Im Prinzip ist sie dafür zuständig die neuesten Trends aufzuspüren. Dafür muss sie sich natürlich auch mit anderen großen deutschen und internationalen Zeitschriften auseinander setzen (wie zum Beispiel die „Vogue“ oder die „Elle“).Außerdem muss sie sich regelmäßig auf irgendwelchen Modeschauen herum treiben und kucken was die Designer so machen. Sie bereitet das Ganze dann praktisch für die Leserinnen auf und macht auch Vorschläge wie man den neusten Trend vom Laufsteg auch alltags-kompatibel trägt, bzw. wie man verschiedene Trends kombiniert.
Hört sich eigentlich alles ziemlich spannend an. Allerdings haben wir und auch über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Modebranche unterhalten. So ist es wohl in diesem Bereich (wie auch in vielen anderen) wirklich nicht einfach. Leute werden entlassen, es gibt Lohn Dumping und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Das liegt vor allem daran, dass die Zeitschriften sich ja nicht über die Auflage und die verkauften Exemplare finanzieren, sondern hauptsächlich über Werbeanzeigen. Nun ist es aber so, dass viele Unternehmen die gerne in Frauenzeitschriften Werbeanzeigen schalten selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten können. Wenn es einem Unternehmen schlecht geht wird als eine der ersten Sparmaßnahmen das Marketing Budget gekürzt. Das heißt, dass die Unternehmen auch nicht mehr soviel Geld in Werbeanzeigen stecken können und dieses Geld dann wiederum den Zeitschriften fehlt. Also noch mal kurz gesagt: Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, fehlt auch den Modezeitschriften Geld, da ihnen finanzstarke Anzeigenkunden fehlen.
Natürlich müssen auch Frauenzeitschriften wirtschaftlich arbeiten und wollen mit jeder Ausgabe Gewinne einfahren. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen sie sich also ganz besonders intensiv um Anzeigekunden bemühen.
Anscheinend ist es nun so, dass dieser wirtschaftliche Druck manchmal zu konkreten Einschränkungen der (mode-)journalistischen Freiheit führt. Das sieht dann beispielsweise folgendermaßen aus: die Zeitschrift hat z.B. eine Rubrik in der sie Schuhe, Taschen und Klamotten bewertet. Ob etwas an- oder abgesagt ist bestimmen normalerweise die Journalisten selbst. Allerdings kommt es zurzeit anscheinend so aus, dass man da besonders vorsichtig sein muss um die Anzeigekunden nicht zu vergraulen. Wenn zum Beispiel Label xy als „out“ bewertet wird, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man Label xy als Anzeigekunden verliert (dies gilt wohl grundsätzlich und nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten). Umgekehrt kommt es auch vor, dass gewisse Labels der Zeitschrift Geld oder einen Anzeigevertrag versprechen, wenn ihre Artikel in der Zeitschrift präsentiert werden – möglichst positiv natürlich.
Ich finde das alles schon irgendwie erschreckend. Man denkt ja eigentlich schon, dass Modetipps aus Frauenzeitschriften relativ neutral zustande kommen. Aber anscheinend ist das ganz und gar nicht so. Stattdessen geht es wohl in der Branche ziemlich korrupt zu. Aber gut…zum Glück kann man ja eigentlich auch selbst entscheiden was man schön findet und was nicht! (at)









